Erklärungen zu den Massakern im Iran

29. Januar 2026

Erklärung der Gewerkschaft der Busarbeiter*innen von Teheran und Umgebung zur Verurteilung des Massakers an den protestierenden Menschen

Die unterdrückten Menschen unseres Landes trauern erneut um ihre Kinder. Dieses Massaker an den Protestierenden gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Islamischen Republik ist noch umfassender und schrecklicher als die Straßenmassaker der 1980er Jahre sowie die Verbrechen bei der Niederschlagung der Aufstände im Dezember 2017, November 2019 und September 2022. Der gewaltige Schock, der die Gesellschaft erfasst hat, rührt nicht aus Überraschung, denn wir wussten stets, über welche Grausamkeit und Wildheit die unterdrückenden Kräfte des Regimes verfügen. Er entsteht vielmehr daraus, dass die Herrschenden ohne jegliche Rücksicht beschlossen haben, ein Massaker an Tausenden von Kindern dieses Landes zu verüben. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass jede Hoffnung auf eine Veränderung des Regimes, selbst für die optimistischsten und naivsten Menschen, endgültig zu Ende ist.

Die Herrschaft hat erneut gezeigt, dass sie keinerlei Wert auf das Leben unseres Gesellschaft und unserer Kinder legt. Wie kann man ein solches Massaker begehen und dann auf grausame und unmenschliche Weise die Leichen der Getöteten vor den Augen der Öffentlichkeit zur Schau stellen? Kann eine solche Regierung auch nur den geringsten Anspruch auf Legitimität in den Augen der Bevölkerung haben?

In unserer vorherigen Stellungnahme haben wir darauf hingewiesen, dass über 93 Millionen Menschen im Land vom Zugang zum Internet und anderen Kommunikationsmitteln abgeschnitten wurden – eine organisierte Entzugspolitik, die bis in die letzten Tage andauerte und deren Kommunikationsmöglichkeiten selbst jetzt noch nicht vollständig zuverlässig sind. Dennoch betont die Gewerkschaft weiterhin den grundlegenden und unantastbaren Grundsatz, dass die wirkliche Befreiung der iranischen Gesellschaft nur über kollektive Führung und die bewusste, organisierte und unabhängige Beteiligung der gesamten Arbeiter*innenklasse sowie anderer unterdrückter Gesellschaftsschichten im Inland möglich ist – und nicht durch militärische Interventionen der USA, Israels oder anderer machtunersättlicher ausländischer Staaten und ihrer abhängigen Unterstützer. Die Gewerkschaft verurteilt das Massaker an den unterdrückten Menschen des Landes aufs Schärfste, spricht den Familien und Angehörigen der im Dezember-Aufstand Gefallenen ihr herzliches Beileid aus und fordert die sofortige sowie bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten.

Täglich erreichen uns Nachrichten über die Vollstreckung von Hinrichtungen. Die Herrschenden sollten wissen, dass selbst die Hinrichtung von Tausenden politischer Gefangener in den 1980er-Jahren den fortdauernden Kampf der Bevölkerung um Rechte, Freiheit und Gleichheit nicht stoppen konnte.

Das Massaker und die heutigen Hinrichtungen werden in einer viel breiteren, bewussteren und vielfältigeren Gesellschaft nicht nur nicht in der Lage sein, die tiefen sozialen Proteste und Unzufriedenheiten zu unterdrücken, sondern sie werden den Umfang des öffentlichen Zorns noch vergrößern. Der kostengünstigste Weg für die Gesellschaft und das Land ist das sofortige Zurücktreten aller Verantwortlichen und das unverzügliche Stoppen der Mord-, Unterdrückungs- und Zerstörungsmaschinerie des Landes.

Es lebe die Freiheit, die Gleichheit und die Solidarität der Menschen

Die Lösung für die Arbeiter und die unterdrückten Massen ist Einheit und Organisation

Busgesellschaft von Teheran und Umgebung, 26.01. 2026

***

Das Massaker an den Protestierenden wird den Weg zur Freiheit nicht aufhalten!

Die Islamische Republik wiederholte innerhalb von knapp zwei Wochen alle Verbrechen, die sie während ihrer 47-jährigen blutigen Herrschaft begangen hatte, in großem und entsetzlichem Ausmaß. Wie befürchtet, „füllte die Regierung die Gefängnisse und Friedhöfe mit Demonstranten“. Indem die Regierung sämtliche Kommunikationswege – vom Internet über SMS bis hin zu Telefonleitungen – kappte, massakrierte sie die Menschen, die in absoluter Stille zum Leben erwacht waren, bezeichnete die Massaker als „Randalierer und Feinde“ und ebnete so den Weg für die Fortsetzung eines umfassenden Krieges gegen die Bevölkerung.. Sie entführte Verwundete aus Krankenhäusern, verscharrte die Toten heimlich, häufte Leichenberge in Schuppen und verfrachtete sie in Anhängern. Die Überlebenden irrten zwischen den Leichenbergen umher, auf der Suche nach ihren Angehörigen. Tausende Kinder, Alte und Jugendliche wurden verhaftet, wodurch die Zahl derer, die in den vergangenen 47 Jahren gewaltsam verschwunden sind, weiter anstieg. Durch die Fortsetzung ihrer Einschüchterungspolitik versuchte sie, die Stimmen von Zeugen des Verbrechens, darunter auch medizinisches Personal, zum Schweigen zu bringen. Im Schatten dieser repressiven und monotonen Herrschaft inszenierte die Regierung all dies in ihren Medien als triumphales Spektakel.

Dieses Leid und Sterben hat die trauernde und verwundete Gesellschaft in einen Zustand der Verwirrung versetzt, sodass eine grundlegende Veränderung des Status quo durch den Willen des Volkes unmöglich erscheint. Das entsetzliche Ausmaß der Verbrechen der Regierung hat den ausbeuterischen Mächten den Weg geebnet, ihre blutige Kolonialgeschichte hinter der Maske des „Retters“ zu verbergen und sich am Blut und Aufstand des Volkes zu bereichern. Zweifellos wollen diejenigen, die den Traum von Freiheit an eine militärische Intervention geknüpft haben, ihr Machtzentrum auf den Trümmern dieses Landes errichten. Das unausweichliche Schicksal des Volkes besteht nicht darin, zwischen der Reaktion der herrschenden Partei und den ausbeuterischen Mächten und ihren Handlangern zu wählen. Die Geschichte der Aufstände, Unterdrückungen und Wiedererstarkungen hat gezeigt, dass die durch Korruption, Diskriminierung und Ungleichheit neu entfachte Kraft und der Wille des Volkes nicht verschwinden werden; es wird sich bewusst organisieren und sich den Machthabern und Kapitalisten entgegenstellen. Es ist das Volk, das sein eigenes Schicksal bestimmt.

Der iranische Schriftstellerverband, der seit Jahren unter der staatlich verordneten Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung leidet und stets an der Seite der freiheitsliebenden Bevölkerung steht, wird auch weiterhin mit aller Kraft die Stimme der Unterdrückten und Freiheitsliebenden sein, bis alle Täter und Mittäter der Verbrechen des Staates in einem fairen und öffentlichen Verfahren vor Gericht gestellt werden. Der iranische Schriftstellerverband ruft freiheitsliebende Schriftsteller und gleichgesinnte Institutionen weltweit dazu auf, Iran nicht aus den Augen zu verlieren und die Stimme der Protestierenden, Überlebenden und Inhaftierten zu sein.

Iranischer Schriftstellerverband, 26.01.2026