Die Internationale Arbeiterassoziation

30. Oktober 2021

Zweiter Teil in der Reihe zur Geschichte der Arbeiter:innenbewegung

Im zweiten Teil unserer Reihe zur Geschichte der Arbeiter:innenbewegung1 betrachten wir die Entstehung und Entwicklung der Internationalen Arbeiterassoziation. Im Unterschied zum Bund der Kommunisten2 war die Erste Internationale eine sehr heterogene Organisation, in der die verschiedenen Strömungen der damaligen Arbeiter:innenbewegung zusammenkamen. Neben englischen Gewerkschaftern und französische Mutualisten fanden sich die Anhänger Marx‘ und Bakunins in ihren Reihen wieder. Die Kongresse und Konferenzen der Internationale waren ein Zeugnis der wachsenden internationalen Solidarität der Arbeiter:innenklasse, aber auch ihrer fortbestehenden politischen Gegensätze. Ihre größten Erfolge konnte die Internationale als gewerkschaftliche Bewegung erzielen, bevor sie nach acht Jahren an ihren inneren Widersprüchen zerbrach.

„Nach dem Fehlschlag der Revolutionen von 1848 wurden auf dem Kontinent alle Parteiorganisationen und Parteijournale der arbeitenden Klasse von der eisernen Hand der Gewalt unterdrückt, die fortgeschrittensten Söhne der Arbeit flohen in Verzweiflung nach der transatlantischen Republik, und der kurzlebige Traum der Emanzipation zerrann vor einer Epoche von fieberhaftem Industrialismus, moralischem Marasmus und politischer Reaktion. (…) Hatte daher zwischen den britischen und den kontinentalen Arbeiterklassen keine Gemeinsamkeit der Aktion existiert, so existierte jetzt jedenfalls eine Gemeinsamkeit der Niederlage.“3

So schilderte Marx in seiner Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation, dem Gründungsdokument der 1864 gegründeten I. Internationale, die Folgen der gescheiterten Revolution von 1848 für die Arbeiterbewegung Europas. Sie war durch die Niederlage erheblich geschwächt worden und befand sich für eine lange Dekade in der Defensive. Nicht nur auf dem europäischen Kontinent hatte die Repression ihre Organisationen zerschlagen, auch in England war die Chartisten-Bewegung besiegt worden. Nachdem ihr Versuch, dem Parlament die Volks-Charta aufzuzwingen, an der militärischen Mobilmachung der Regierung gescheitert war, machten sich Verzweiflung und Auflösungserscheinungen breit. Der Niedergang der britischen Chartisten wurde durch die Niederlage der Revolution auf dem Kontinent beschleunigt, deren Entwicklung sie mit großer Hoffnung verfolgt hatten.

Erst zu Beginn der 1860er Jahre war die Arbeiterbewegung in England und etwas später auch in Zentraleuropa wieder zum Leben erwacht, was sich in verschiedenen Entwicklungen ausdrückte: In England waren es die Gewerkschaften, die die Führungsrolle der Chartisten übernahmen. Im amerikanischen Bürgerkrieg stellten sie sich trotz der ökonomischen Verheerungen, die der Ausfall der amerikanischen Baumwolle in der englischen Textilindustrie anrichtete, auf die Seite Lincolns und der Nordstaaten und kämpften gegen eine Intervention des britischen Staates zugunsten der Konföderierten. Sie mobilisierten zu Demonstrationen, um die Unterstützung der Sklavenhalterpartei durch die englische Regierung zu verhindern. Als 1863 der Aufstand in Polen gegen die russische Herrschaft ausbrach, begannen die englischen und französischen Gewerkschaften eine internationale Solidaritätskampagne, die 1864 in der Gründung der Internationale mündete.4

Die Gründung der I. Internationale

Nach dem ernüchternden Ende des Bundes der Kommunisten schienen Marx und Engels mit ihrer politischen Betätigung abgeschlossen zu haben. Marx pries die „öffentliche, authentische Isolation“, in der sie sich befanden, und Engels pflichtete ihm bei: „Wie passen Leute wie wir, die offizielle Stellungen fliehen wie die Pest, in eine ‘Partei‘?“5 Als es jedoch 13 Jahre später auf Initiative der englischen und französischen Arbeiter zur Gründung der I. Internationale kam, erklärte sich Marx bereit, ihr Statut mitsamt einer Präambel zu entwerfen, und war in den folgenden Jahren aktives Mitglied des Exekutivkomitees (später: Generalrat).

Die I. Internationale war im Unterschied zum Bund der Kommunisten ein sehr heterogenes, ja widersprüchliches Gebilde, und keineswegs herrschte in ihr eine kommunistische Orientierung vor. Ihre Zusammensetzung war auch Ausdruck des unterschiedlichen Entwicklungsganges, den der Kapitalismus in den verschiedenen Ländern Europas genommen hatte. In England, wo die Durchsetzung kapitalistischer Produktionsverhältnisse am weitesten fortgeschritten war, die agrarischen Verhältnissen am stärksten revolutioniert worden waren und sich bereits eine moderne Industrie und eine konzentrierte Industriearbeiterklasse entwickelt hatten, war die Arbeiterbewegung von den Gewerkschaften dominiert. Hier hatte sich die Arbeiterklasse nicht nur die Kampfform des Streiks angeeignet, sondern versuchte ihre Lage auf politischem Weg zu verbessern. Sie kämpfte für die gesetzliche Beschränkung des Arbeitstages und das allgemeine Wahlrecht. In Frankreich dagegen, wo es den Bauern gelungen war, ihre selbstständige Existenz zu verteidigen, war die kapitalistische Produktionsweise noch weitaus weniger entwickelt als in England. Das industrielle Kapital blieb schwach entwickelt, an seiner Stelle dominierte die Finanzaristokratie in der Gesellschaft und im Staat: „Nicht die französische Bourgeoisie herrschte unter Louis-Philippe, sondern eine Fraktion derselben, Bankiers, Börsenkönige, Eisenbahnkönige, Besitzer von Kohlen- und Eisenbergwerken und Waldungen, ein Teil des mit ihnen ralliierten Grundeigentums - die sogenannte Finanzaristokratie. Sie saß auf dem Throne, sie diktierte in den Kammern Gesetze, sie vergab die Staatsstellen vom Ministerium bis zum Tabaksbüro.“6 Neben einem großen Heer an kleinen Bauern und Handwerkern war die industrielle Arbeiterschaft eine unbedeutende Minderheit. Unter diesen Bedingungen entwickelte sich eine sogenannte mutualistische Tendenz, die vor allem durch Proudhon geprägt wurde. Dieser französische Sozialismus wurde bestimmt von selbstständigen Handwerkern und kleinen Bauern, die sich nicht in einem direkten Gegensatz zum industriellen Kapital, sondern zu den Banken und einem Steuern abschöpfenden bürokratischen Staatsapparat befanden. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Zielsetzung resultierten aus dem Stolz auf eine eigenständige Existenz, die sie verteidigen und zum Vorbild für eine neue Gesellschaft machen wollten. Nicht Streiks und politische Aktionen, sondern der Aufbau von Genossenschaften und Volksbanken sollte den Weg in eine gerechte Gesellschaft weisen, in der niemand durch den Staat oder die Banken übervorteilt würde. Die mutualistische Theorie, die im Kern auf dem direkten Tausch beruht, ist nach Proudhon „eine Synthese der beiden Ideen der Aneignung und des Kommunismus; eine Synthese, die so alt ist wie die Elemente, aus denen sie besteht, insofern sie nur eine Rückkehr der Gesellschaft zu ihren ursprünglichen Praktiken ist, durch ein Labyrinth von Erfindungen und Systemen hindurch, das Ergebnis von sechstausend Jahren des Nachdenkens über diesen grundlegenden Satz: A ist gleich A.”7 Die Proudhonisten strebten eine Gesellschaft von Privateigentümern an, in der der Arbeiter zugleich Eigentümer und Produzent wäre und seine Arbeitsprodukte weiterhin über den Markt tauschen würde. Als entscheidende Maßnahme für die Verwandlung der Gesellschaft in eine des „gerechten Tausches“ sahen sie die Gewährung zinslosen Kredits an Arbeiterassoziationen an. Diese Kredite sollten durch unabhängige Volksbanken und nicht durch den Staat vergeben werden, dem die Proudhonisten nicht über den Weg trauten. Die Hoffnung, die sie in die Genossenschaftsbewegung setzten, verband sie wiederum mit den Anhängern Robert Owens, von denen ebenfalls einige Teil der ersten Internationalen Arbeiterassoziation waren. Trotz unterschiedlicher Überzeugungen teilten die in der Internationale zusammengeschlossenen Arbeiter:innen ein elementares Klassen- und Solidaritätsbewusstsein, das die Basis für ihr gemeinsames Wirken war.

Mit der von ihm entworfenen Gründungserklärung der Internationale versuchte Marx deshalb ein Programm zu skizzieren, das den unterschiedlichen Ansichten der beteiligten Gruppen Rechnung trug und sie auf das Ziel der „vollständigen Emanzipation der Arbeiterklasse“ orientieren sollte.8 Was die Inauguraladresse nicht sein konnte, war ein neues Manifest der kommunistischen Partei, ein dezidiert kommunistisches Programm: „Es war sehr schwierig, die Sache so zu halten, daß unsre Ansicht in einer Form erschien, die sie dem jetzigen Standpunkt der Arbeiterbewegung acceptable machte“, schrieb Marx nach Abfassung des Entwurfs seinem Freund Engels. „Es bedarf Zeit, bis die wiedererwachte Bewegung die alte Kühnheit der Sprache erlaubt.“9 So findet sich in der Schrift keine Forderung nach einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die die proudhonistischen Anhänger des Mutualismus abgeschreckt hätte. Sie sollte vielmehr als Aktionsprogramm für eine international verbundene Arbeiterbewegung dienen. Anstatt zu versuchen, die Bewegung unter die Kuratel seiner politischen Linie zu stellen, hoffte Marx vielmehr darauf, dass sich seine Ansichten im Laufe des gemeinsamen Kampfes und der Diskussion durchsetzen
würden.10

In diesem Sinne würdigte die Inauguraladresse den Erfolg der englischen Gewerkschaften im Kampf um den Zehnstundentag und erklärte ihn zum Sieg des Prinzips einer an den Bedürfnissen der Arbeiterklasse ausgerichteten Gesellschaft: Die „politische Ökonomie der Arbeiterklasse“ gründe auf „der Kontrolle sozialer Produktion durch soziale Ein- und Vorsicht“. Ein „noch größerer Sieg der politischen Ökonomie der Arbeit über die politische Ökonomie des Kapitals“ seien die Fortschritte der Genossenschaftsbewegung. In ihr käme zum Vorschein, dass „Produktion auf großer Stufenleiter und im Einklang mit dem Fortschritt moderner Wissenschaft vorgehen kann ohne die Existenz einer Klasse von Meistern (masters), die eine Klasse von ‚Händen‘ anwendet“.11 Zugleich verweist die Adresse auf die Schranken dieser Emanzipation auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaft und auf die darüberhinausgehende Notwendigkeit die politische Macht zu erobern. Macht könne die Arbeiterklasse jedoch nur durch ihre Vereinigung, insbesondere durch ihren internationalen Zusammenschluss erlangen. Die Inauguraladresse verband so in geschickter Weise die verschiedenen Tendenzen als Momente eines umfassenden Kampfes für die Befreiung der Arbeiterklasse. Diesem Ziel eines allgemeinen Emanzipationskampfes sollte die Internationale dienen, indem sie den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Arbeiterorganisationen in den verschiedenen Ländern förderte. Auf diese Ausrichtung konnten sich die widerstreitenden Kräfte innerhalb der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) einigen und nahmen das Statut mitsamt der Präambel einstimmig an.

Die Entwicklung der Internationale

Entgegen der Legenden, die sich um die vermeintliche Stärke der Internationale rankten – die französische Staatsanwaltschaft bezifferte ihre Mitgliedschaft 1870 in einem Prozess gegen das französische Zentralkomitee auf über 800.000 und erklärte sie zu einer „sozialen Gefahr“ –, blieb sie bis zum Schluss organisatorisch relativ schwach. 1870 besaß sie in England nicht mehr als 294 Mitglieder, und selbst in Frankreich und in der Schweiz, wo ihre Anhänger zahlreicher waren, dürfte sie nicht über einige Tausend hinausgekommen sein. Dies schlug sich auch in den mangelhaften Mitteln nieder, über die der Generalrat verfügen konnte. Häufig kam er in Rückstand mit der Miete und den Zahlungen an seine Sekretäre und musste die Lücken durch Spendenaufrufe füllen. Neben der überschaubaren Zahl von individuellen Mitgliedern gab es jedoch die weitaus stärkere Gruppe von nationalen Gewerkschaften und politischen Vereinen, die sich der Internationale anschlossen. Insbesondere die englischen Gewerkschaften bekannten sich zu Dutzenden zur Internationale. Häufig kam es infolge von größeren, durch die Internationale unterstützten Gewerkschaftskämpfen zu Massenanschlüssen. Die Bindung der Massen an die Organisation war jedoch flüchtig und verlief sich nach Ausgang der Auseinandersetzung schnell. Es blieb und verbreitete sich jedoch ein allgemeines Gefühl der Solidarität der Arbeiter mit der Internationale und ihren Zielen.12 Auch wenn die I. Internationale nie an das spektakuläre Bild heranreichte, das von ihr gezeichnet wurde, machte sie doch ein beachtliches Wachstum durch. Waren auf ihrer ersten Konferenz 1865 nur vier Länder (England, Frankreich, Belgien und die Schweiz) vertreten, erweiterte sich der Kreis bis zu ihrem letzten Kongress 1872 auf 13 Länder.

Als eine Gemeinschaftsorganisation diverser Strömungen innerhalb der Arbeiterbewegung entstanden, war sie ein Ort des beständigen Richtungsstreits. Dieser Streit wurde auf den Konferenzen und Kongressen der Internationale ausgetragen und drehte sich um eine ganze Reihe von sozialen, politischen und letztlich programmatischen Fragen. Die Geschichte dieser Flügelkämpfe zerfällt in zwei Phasen. Bis 1869 tobt die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern Proudhons und denen von Marx. Ab 1869 nimmt der finale Konflikt zwischen den zuvor siegreichen Marxisten mit den neu hinzustoßenden Bakunisten seinen Lauf.

Die Auseinandersetzung mit den Proudhonisten

Der Streit zwischen den Proudhonisten und den Marxisten nimmt die ersten Jahre der Internationale ein. Er drehte sich um die Rolle der Gewerkschaften und des gewerkschaftlichen Kampfes für einen gesetzlichen Maximalarbeitstag, um Frauenarbeit, staatliche Schulbildung, die Unterstützung des polnischen Unabhängigkeitskampfes sowie um die Frage der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Wir konzentrieren uns hier auf die Auseinandersetzung rund um die Gewerkschaftsfrage, denn als eine Gewerkschaftsinternationale sollte die IAA ihre größten Erfolge erzielen.

Die Gewerkschaftsfrage

Auf dem ersten Kongress der Internationale in Genf 1866 kam es zum Zusammenstoß der pro- und antigewerkschaftlichen Tendenzen innerhalb der Internationale über einen von Marx entworfenen programmatischen Text, der mit der Anerkennung des gewerkschaftlichen Kampfes endete.13 Obwohl sich Marx nach eigenem Bekunden darauf beschränkt hatte, solche Punkte aufzuwerfen, „die unmittelbare Verständigung und Zusammenwirken der Arbeiter erlauben und den Bedürfnissen des Klassenkampfes und der Organisation der Arbeiter zur Klasse unmittelbar Nahrung und Anstoß geben“14, enthielt das Programm diverse Streitpunkte: die Forderung nach dem gesetzlichen Achtstundentag, die Anerkennung der Gewerkschaften als Zentrum der Arbeiterbewegung und „organisierte Kraft zur Beseitigung des Systems der Lohnarbeit und Kapitalherrschaft selbst“, und schließlich die „polnische Frage“ bzw. die Rolle des zaristischen Russlands und die Stellung der Arbeiterbewegung zur polnischen Befreiungsbewegung.15

Über alle diese Fragen kam es zum Widerstand durch die proudhonistischen Delegierten. Dass sich die Internationale zur Gewerkschaftsbewegung bekannte und ihre Hauptbetätigung in der Unterstützung von Streiks fand, war keineswegs selbstverständlich; die von Proudhon inspirierten französischen Delegierten lehnten den Streik in Genf als ein „rohes Kampfmittel“ ab und protestierten im Namen der Vertragsfreiheit gegen die Forderung nach einer gesetzlichen Erzwingung des Achtstundentages.16 Proudhon zufolge hatten erfolgreiche Streiks „fatale Auswirkungen“, führten Lohnerhöhungen doch mit Notwendigkeit zu einem allgemeinen Preisanstieg.17 Die Streiks seien jedoch nicht nur ökonomisch sinnlos, sie würden auch die Freiheit der Arbeiter:innen untergraben, da sie die Monopolisierung der Wirtschaft förderten. Folgerichtig begrüßte er den vermeintlichen Rückzug der Gewerkschaftsbewegung in England als „Rückkehr zur Ordnung“.18 Die proudhonistischen Vertreter in der Internationale befürworteten in diesem Geiste anstelle des gewerkschaftlichen Kampfes die Gründung von Produktionsgenossenschaften. Marx hatte sich bereits Jahre zuvor in seiner Schrift Das Elend der Philosophie mit Proudhon, dem Vordenker des Mutualismus, beschäftigt und seine Zurückweisung der Gewerkschaften kritisiert, in denen Marx den Ausgangspunkt einer politisch selbstständigen Arbeiterbewegung sah.19

1865 nahm Marx die Auseinandersetzung um den Sinn und Unsinn von gewerkschaftlichen Kämpfen wieder auf. In einem Vortrag vor dem Generalrat der IAA, der später unter dem Titel „Lohn, Preis und Profit“ veröffentlicht wurde, legte er dar, dass der Lohnkampf für die Arbeiter essenziell sei, um den niederdrückenden Kräften des kapitalistischen Wirtschaftszyklus entgegenzuwirken und zumindest die Reproduktion ihrer Arbeitskraft zu sichern. Lohn und Profit stünden als Einkommensquellen zweier antagonistischer Klassen in einem inversen Verhältnis. Die Fixierung ihrer jeweiligen Größe erfolge durch den Klassenkampf und sei deshalb Resultat des „Kräfteverhältnis der Kämpfenden.“ Obwohl die Streiks in den meisten Fällen nicht mehr seien als Schadensbegrenzung, hätten sie doch eine darüber hinausweisende Funktion. Denn würden die ArbeiterInnen „in ihren tagtäglichen Zusammenstößen mit dem Kapital feige nachgeben, sie würden sich selbst unweigerlich der Fähigkeit berauben, irgendeine umfassendere Bewegung ins Werk zu setzen“. Der notwendige Tageskampf der Gewerkschaften sollte damit zum Ausgangspunkt werden für den Kampf zur Überwindung des Lohnsystems selbst.20

In Genf konnte sich am Ende die Mehrheit rund um Marx durchsetzen und das vorgeschlagene Programm wurde komplett akzeptiert. Der Erfolg war auch dem großen Einfluss der englischen Gewerkschaften zuzuschreiben, die die Hälfte des ersten Generalrates stellten. Damit war der Weg frei, die Arbeiterbewegung entlang des sozialen Antagonismus und im Kampf mit der kapitalistischen Klasse weiter zu stärken. Der Forderung der englischen Gewerkschaften folgend, machte es sich der Generalrat zur Aufgabe, Streiks durch internationale Solidaritätsaktionen zu unterstützen. Er organisierte finanzielle Mittel für streikende Arbeiter und wirkte auf die Lokalgruppen ein, Streikbruch zu verhindern. Nahezu in jeder Sitzung des Generalrates wurde über Gewerkschaftskämpfe beraten. Gewerkschaften richteten sich an die Internationale, um die Einfuhr von Streikbrechern zu verhindern oder um die finanzielle Unterstützung der Streikenden zu beantragen. Im Verlauf der nächsten Jahre intervenierte der Generalrat in zahllose Streiks. Er appellierte vermittels seiner lokalen Sektionen an die Solidarität mit den streikenden Arbeitern und klärte Arbeiter auf, die als Streikbrecher eingesetzt werden sollten, wodurch der Streikbruch in vielen Fällen verhindert werden konnte. Mitunter gelang der Internationale auch eine direkte Unterstützung in Form von Geldsammlungen, die einem verzweifelten Streik zum Erfolg verhalfen. So etwa beim Kampf der Pariser Bronzearbeiter von 1867, denen die Unternehmer mit Aussperrung begegneten, um sie zur Aufgabe ihrer Gewerkschaft zu zwingen. Der Appell des Generalrates brachte eine derart hohe Summe für die Streikenden zusammen, dass die überraschten Unternehmer ihre Aussperrung aufgaben. Im Streik der Genfer Bauarbeiter im Frühjahr 1868 reichte schon das Gerücht, der Generalrat habe den Streikenden seine Unterstützung zugesichert, um die Unternehmer zum Kompromiss zu bewegen. In beiden Fällen kam es zu einem massenhaften Eintritt von Arbeitern in die IAA.

Vergesellschaftung

Die Auseinandersetzung um die Forderung nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel begann auf dem zweiten Kongress der Internationale 1867 in Lausanne. Eine Resolution über die Überführung von Eisenbahnen und anderen monopolistischen Wirtschaftszweigen in Gemeineigentum führte zu heftigen Kontroversen. Die Proudhonisten lehnten eine Verstaatlichung entschieden ab, da sie fürchteten, dass die despotische Macht des Staates mit dem Wachstum seiner ökonomischen Mittel nur zunehmen könne. Es kam zu einer Kompromisslösung, die offen ließ, welche Form das öffentliche Eigentum annehmen sollte. Auf vollkommene Ablehnung stieß eine Resolution, die die Überführung von Grund und Boden in Gemeineigentum forderte, da die Proudhonisten die Freiheit der Bauern in ihrem Eigentum verbürgt sahen und jede Form eines Agrarkommunismus als „kollektive Tyrannei“ verteufelten.

Auf dem dritten Kongress in Brüssel im Jahr 1868 fand die Debatte um die Vergesellschaftung der Produktionsmittel eine Fortsetzung. Es war mit einhundert Delegierten der bisher größte Kongress und der erste, der sich offen zur Sozialisierung der Produktionsmittel bekannte. Gegen den heftigen Widerstand der Delegationen Frankreichs und der romanischen Schweiz wurde mit den Stimmen der Belgier, Engländer und Deutschen eine Resolution beschlossen, die die Verstaatlichung von Bergwerken, Steinbrüchen und Eisenbahnen sowie die Überführung von Grund und Boden in öffentliches Eigentum forderte. Auf dem folgenden vierten Kongress in Basel kam die Auseinandersetzung mit den Proudhonisten schließlich zu einem Abschluss, die Beschlüsse des Brüsseler Kongresses wurden durch eine große Mehrheit bestätigt. Der Baseler Kongress war der bisher repräsentativste Kongress. Deutschland war zum ersten Mal durch die von Wilhelm Liebknecht und August Bebel gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei vertreten. Daneben erschienen ein Delegierter aus Österreich und ein Delegierter der National Labour Union aus den USA.

Die Auseinandersetzung mit Bakunin

Michael Bakunin war ein russischer Anarchist, der wie viele Revolutionäre dieser Zeit aus einer wohlhabenden, adligen Familie stammte. Das russische Zarenreich gründete zu dieser Zeit noch auf dem feudalen Grundeigentum und brutaler Repression. Bakunins Anarchismus blieb auf kleine Zirkel von Intellektuellen beschränkt. Er war Angelegenheit von einzelnen Rebellen gegen eine Ordnung im Übergang vom Absolutismus zur bürgerlichen Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der russischen Erfahrung bildete sich eine Revolutionsvorstellung heraus, die auf die spontanen Regungen und „Instinkte“ der bäuerlichen Massen und der städtischen Unterschicht vertraute. In diesem Sinne erschienen Bakunin selbst in den halb-feudalen Regionen Europas die Bedingungen für eine soziale Revolution reif, sofern eine festgefügte Gruppe von Revolutionären in der Lage sei, eine Volksbewegung zu entfachen.

Bakunin stieß 1868 zur Internationale. Er hatte sich nach langen Jahren der Einkerkerung und des Exils in der Schweiz niedergelassen und war dort zunächst in der Friedensliga aktiv, einem Zusammenschluss, der gegen einen deutsch-französischen Krieg agitierte und den er erfolglos für seine Zwecke zu gewinnen versucht hatte. Bakunin brachte eine eigene kleine Organisation mit, die Allianz der sozialistischen Demokratie. Sie sollte nach seiner Vorstellung als Generalstab der Arbeiterbewegung dienen und dementsprechend als eine Geheimorganisation aufgebaut sein. Diesem Wunsch kamen seine französischen und italienischen Weggefährten jedoch nicht nach, die darauf drängten, die Allianz als einen offenen Zusammenschluss zu konstituieren.21

1868 beantragte die Allianz die Aufnahme als eine internationale Organisation in die Internationale, mit eigenen Strukturen und Kongressen. Ihre Rolle sah sie darin, als Ideengeber für den Generalrat der Internationale zu fungieren, die dieser dann ausführen sollte. Der dilettantische Versuch, sich die Internationale unterzuordnen, wurde brüsk als solcher zurückgewiesen. Der Generalrat konnte in diesem „Angebot“ nicht weniger erkennen als ein Mittel, die IAA „zu desorganisieren“ und sie zu einem „Spielball [von] Intriganten“ zu machen.22 Im Februar 1869 erklärte das Zentralkomitee der Allianz seine Kapitulation. Es gab seine Auflösung bekannt und beantragte den Beitritt der Sektionen der Allianz in die Internationale. Der Generalrat gab dem Antrag statt. Das weitere Schicksal der Allianz ist einigermaßen obskur und die Auseinandersetzung zwischen den Marxisten und Bakunisten für uns nur hinsichtlich ihrer gegensätzlichen revolutionstheoretischen Auffassungen interessant. Dabei lassen sich zwei Momente unterscheiden. Einerseits die Auffassung über das Verhältnis von politischer und sozialer Revolution oder die Rolle des Staates in der Revolution. Andererseits das Verständnis von Bewegung und politischer Führung oder die Form der revolutionären Organisation.

Die Staatsfrage

Bakunin teilte mit den Proudhonisten die fundamental staatsablehnende Haltung. Im Gegensatz zu ihnen glaubte er jedoch nicht daran, dass sich eine soziale Umwälzung auf dem friedlichen Wege der Kooperativgenossenschaften vollziehen könne. Er entwickelte vielmehr einen revolutionären Anarchismus, der seinen Bezugspunkt in den Leidenschaften der Volksmassen suchte und diese zu einem gewaltsamen Sturz des Staates führen wollte. In der Beseitigung des Staates sah er den ersten Akt der Revolution. Sein Bild der Zukunftsgesellschaft war das einer „freien, von unten nach oben erzielten Übereinkunft der Arbeiterassoziationen, der Dörfer und Gemeinden (…), einer Übereinkunft, die mit den Bedürfnissen und dem Instinkt des Volkes übereinstimmen würde.“23 Eine solche Gesellschaft könne nicht durch die Eroberung der politischen Macht erreicht werden. Dies hieße nur die Herrschaft einer Minderheit durch eine andere Minderheit zu ersetzen. Die Sozialisten, die er deshalb aufs Entschiedenste bekämpfte, seien die „eifrigsten Befürworter“ des Staates: „Ihr Ziel ist der Sturz der bestehenden Autoritäten und Regierungen, um auf ihren Ruinen ihre eigene Diktatur zu errichten.“ Der Gedanke, das Proletariat könne zur herrschenden Klasse werden, war für ihn eine Absurdität: Fragt sich, wenn das Proletariat die herrschende Klasse sein wird, (…) über wen wird es herrschen."24 Worauf Marx bemerkte: „Das meint, solange die andren Klassen, speziell die kapitalistische noch existiert, solange das Proletariat mit ihr kämpft (denn mit seiner Regierungsmacht sind seine Feinde und ist die alte Organisation der Gesellschaft noch nicht verschwunden), muß es gewaltsame Mittel anwenden, daher Regierungsmittel; ist es selbst noch Klasse, und sind die ökonomischen Bedingungen, worauf der Klassenkampf beruht und die Existenz der Klassen, noch nicht verschwunden und müssen gewaltsam aus dem Weg geräumt oder umgewandelt werden, ihr Umwandlungsprozeß gewaltsam beschleunigt werden."25 Nach Marx und Engels sollte diese proletarische Herrschaft selbstverständlich keine Diktatur einer Minderheit sein, sondern eine demokratische Herrschaft der Mehrheit – eine „Klassendiktatur“26 –, wobei sie dies nicht in einen Gegensatz zur Delegation von Entscheidungsmacht und Arbeitsteilung brachten.27 Wogegen sie sich entschieden wendeten, war die Vorstellung einer Revolution als Putsch einer kleinen Minderheit; dessen Folge könne nichts anderes sei als die Diktatur „nicht der ganzen revolutionären Klasse, des Proletariats, sondern der kleinen Zahl derer, die den Handstreich gemacht haben und die selbst schon im voraus wieder unter der Diktatur eines oder einiger wenigen organisiert sind“.28 Eine solche Auffassung sahen sie auch bei Bakunin am Werk, der trotz seiner Bekenntnisse zu den Volksmassen und dem Aufbau der Gesellschaft „von unten nach oben“ an der Organisationsform des revolutionären Geheimbundes festhielt.

Die revolutionäre Organisation

Nach Bakunins Überzeugung reichte eine offene politische Agitation nicht hin, um die Massen über ihre Klasseninteressen und ihre historische Mission aufzuklären. Dieser Klassenbildungsprozess aber war es, den die Marxisten anstrebten. Sie wollten ihre Ansichten innerhalb der Massenorganisationen des Proletariats vertreten und diese für ihr Programm gewinnen: „Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie mit Leib und Leben eintreten.“29 Bakunin war davon überzeugt, dass es eine verschworene Clique von Revolutionären brauchte, die in der Lage seien, eine Volksrevolution zu organisieren und leiten. Er sah die Aufgabe seiner Allianz darin, der Internationale eine revolutionäre Organisation, einen Generalstab der Revolution zu geben. Die Internationale sollte die Fußtruppen stellen. Während Bakunin den Generalstab für seinen vermeintlichen Autoritarismus kritisierte, sollte sein innerer Kreis von Revolutionären streng hierarchisch jenseits jeder demokratischen Kontrolle und Rechenschaft operieren. Für die Internationale forderte er die größte Autonomie der lokalen Sektionen und erklärte, dass ihre Stärke an der Basis, nicht in der Führung liege. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass seine Politik darauf zielte, die Internationale zu desorganisieren und an die Stelle des durch den Kongress gewählten Generalrates die geheime Allianz als unsichtbare Führung zu setzen. So erklärte er gegenüber seinem Verbündeten Albert Richard in einem Brief: „als unsichtbare Lotsen im Volkssturm müssen wir ihn leiten nicht durch eine sichtbare Macht, sondern durch die kollektive Diktatur aller Alliierten. Eine Diktatur ohne Schärpe, ohne Titel, ohne offizielles Recht, die desto mächtiger ist, weil sie keinen Anschein der Macht hat. Dies ist die einzige Diktatur, die ich zulasse. Damit sie aber handeln kann, muß sie vorhanden sein, und dazu muß man sie vorbereiten und im voraus organisieren, denn sie wird nicht ganz von selbst entstehen, weder durch Diskussionen, noch durch Auseinandersetzungen und prinzipielle Debatten, noch durch Volksversammlungen.“ Anstelle einer durch die organisierten Massen bestimmten und abrufbaren Führung soll die geheime, ungebundene Führung „wirklich starke[r] Männer“ treten, die „hinreichend ernst ehrgeizig sind nach dem Sieg ihrer Idee, nicht dem ihrer Person“.30 Gegen den konspirativen Insurrektionalismus Bakunins traten Marx und Engels für eine öffentliche und breite Organisation des Proletariats ein: „Die Internationalen suchen diese Einheit zu schaffen durch die Propaganda, die Diskussion und die öffentliche Organisation des Proletariats (…). Der Ausspruch [Bakunins], daß die hundert internationalen Brüder ‚als Vermittler zwischen der revolutionären Idee und den Volksinstinkten dienen‘ müssen, schafft eine unübersteigbare Kluft zwischen der revolutionären Idee der Allianz und den Proletariermassen. Er proklamiert die Unmöglichkeit, diese Hundert-Garden anderwärts anzuwerben als aus den privilegierten Klassen.“31 Die Auseinandersetzung zwischen Marx und Bakunin erwies sich als ein letztlich sprengender Konflikt, der der ersten Internationalen Arbeiterassoziation ein unrühmliches Ende bereitete.

Niedergang der I. Internationale

Es war aber zunächst ein vollkommen unerwartetes Ereignis, das den Niedergang der Internationale einläutete. Infolge der Niederlage Frankreichs im Krieg gegen Deutschland kam es am 18. März zu einem spontanen Aufstand der Pariser Bevölkerung gegen die neue republikanische Regierung und zur Etablierung einer kommunalen Selbstregierung. Während ihrer kurzen, gut zweimonatigen Existenz veranlasste die Commune von Paris diverse ökonomische und politische Maßnahmen zugunsten der arbeitenden Klassen und wurde zum Symbol der politischen und sozialen Gärung. In vielen deutschen Städten kam es zu spontanen Solidaritätskundgebungen sozialdemokratischer Arbeiter, die die Aufständischen in Paris als Vorhut des sozialistischen Proletariats ansahen. In Berlin verabschiedete eine Volksversammlung eine Resolution zur Unterstützung der Aufständischen und begrüßte die „sociale Revolution“ in „Paris und in den großen Städten Frankreichs“. In Elberfeld-Barmen erklärten die sozialdemokratischen Arbeiter die „sozial-demokratische Republik“ zum ersten Schritt zur „Befreiung des Proletariats von der Capitalmacht“.32 Die Niederschlagung der Kommune in der Blutwoche vom 21. bis 27. Mai 1871 vernichtete die Organisationen der französischen Sozialisten und damit eines der wichtigsten Zentren der Internationale. Ein paar englische Gewerkschaftsführer wurden durch den folgenden Kreuzzug gegen gott- und vaterlandslose Sozialisten von der Internationale entfremdet und in Richtung der liberalen Partei gezogen. Ansonsten blieb die Organisation jedoch intakt und hatte in England und Italien sogar an Macht gewonnen. Dies änderte jedoch nichts an den inneren Gegensätzen, die schließlich 1872 in Den Haag zum Austrag kamen.

Der Grund für die Zuspitzung des Konflikts war die Angst der Marxisten, sie könnten die Mehrheit im Generalrat an die Bakunisten verlieren, die ihren Einfluss insbesondere in den romanischen Ländern ausgebaut hatten. Die Verschwörung, die die Marxisten am Werk sahen, war jedoch vor allem ein Hirngespinst Bakunins, für das sich dementsprechend auch keine handfesten Beweise finden ließen. Bakunin, der nicht zum Kongress erschienen war, wurde stattdessen mit fadenscheiniger Begründung ausgeschlossen. Die italienische Sektion hatte den Kongress boykottiert, wodurch sich die Anhänger Bakunins in der Minderheit befanden. Marx dagegen, dem die Auseinandersetzung so wichtig war, dass er zum ersten Mal bei einem Kongress erschien, beantragte schließlich die Verlegung des Sitzes des Generalrates nach New York, wo er vor dem Einfluss der Bakunisten sicher wäre.

Zudem gelang es den Marxisten, einen Aufruf zur Gründung von nationalen Arbeiterparteien als notwendiger Form der proletarischen Selbstbefreiung durchzusetzen. Die Resolution des Haager Kongresses erklärte: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerlässlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, der Aufhebung der Klassen, zu sichern.“33 Es war paradoxerweise gerade die erfolgreiche Entwicklung der Arbeiterparteien, die eine Wiederbelebung der Internationale verhinderte. Die Aktivitäten der Arbeiterbewegung konzentrierten sich in der Folgezeit auf den Aufbau ihrer jeweiligen nationalen Organisationen, während die Internationale mit ihrem neuen Sitz in New York langsam einschlief. Die I. Internationale erwies sich somit als ein wichtiges Zwischenstadium im Prozess der Klassenbildung. Sie begründete ein internationales Solidaritäts- und Klassenbewusstsein, das als Grundlage der sich ausbreitenden Arbeiterbewegung dienen konnte, und formulierte nicht nur die Leitprinzipien ihres Kampfes, sondern auch ihr Endziel einer klassenlosen Gesellschaft.

  • 1. Die Einleitung zur Reihe ist hier zu finden.
  • 2. Siehe den ersten Teil der Reihe.
  • 3. MEW 16: 10.
  • 4. Braunthal 1978: 101f.
  • 5. MEW 27: 184, 189.
  • 6. MEW 7: 12.
  • 7. Proudhon, The Coming Era of Mutualism (1849)
  • 8. MEW 16: 15.
  • 9. MEW 31: 16.
  • 10. MEW 4: 584ff.
  • 11. MEW 16: 11.
  • 12. Braunstein 121-131.
  • 13. Marx, Instruktionen für die Delegierten des Provisorischen Zentralrats zu den einzelnen Fragen, MEW 16: 191ff.
  • 14. MEW 31: 529.
  • 15. MEW 16: 192, 197ff., 199.
  • 16. Braunstein.
  • 17. Proudhon, The Philosophy of Poverty (1847).
  • 18. Ebd.
  • 19. MEW 4: 175ff., 181.
  • 20. MEW 16: 149, 152.
  • 21. Carr 345-360.
  • 22. MEW 15: 340.
  • 23. Bakunin, Staatlichkeit und Anarchie.
  • 24. Ebd.
  • 25. MEW 18: 630.
  • 26. MEW 7: 89.
  • 27. MEW 18: 634.
  • 28. MEW 18: 529.
  • 29. MEW 22: 532.
  • 30. Briefe Bakunins an Albert Richard über die Alliance 1868, 1870. Michael Bakunin, Gesammelte Werke, Band III; Berlin 1924. Seite 97ff.
  • 31. MEW 18: 346. Die Bedeutung der breiten, demokratischen Organisationsweise der Arbeiterpartei hebt Engels noch viele Jahre später im Zusammenhang der mittlerweile florierenden sozialdemokratischen Parteien hervor: „Es gehört zum Leben und Gedeihen einer jeden Partei, dass in ihrem Schoß gemäßigtere und extremere Richtungen sich entwickeln und selbst bekämpfen, und wer die extremeren kurzerhand ausschließt, befördert dadurch nur ihr Wachstum. Die Arbeiterbewegung beruht auf der schärfsten Kritik der bestehenden Gesellschaft. Kritik ist ihr Lebenselement, wie kann sie selbst der Kritik sich entziehen, die Debatte verbieten wollen? Verlangen wir denn von den anderen das freie Wort für uns bloß, um es in unseren eigenen Reihen wieder abzuschaffen?“ Engels an Trier (1889), MEW 37, 328.
  • 32. Conze/Grohe, Die Arbeiterbewegung in der nationalen Bewegung: 107.
  • 33. MEW 18: 149.